Mittwoch, 25. Juni 2014
Schocktherapie
Wir alle erinnern uns an den unschönen Vorfall Anfang des Jahres, der mich für einige Monate zurück nach Deutschland und in ein Krankenbett verfrachtet hatte. Dank schnell heilender Knochen, einer großen Portion Glück und guter Therapie bin ich jetzt ja wieder ganz die Alte. Mehr oder weniger. Heute weniger. Denn, nur weil ich wieder durch die Gegend hüpfe als wenn ich keine 20 wäre holt mich die Geschichte doch immer wieder ein. Diesmal unvorbereitet und gleich in dreifacher Ausführung in Form von drei kläffenden Kötern. Noch mal für alle: Ich bin damals unterm Pferd gelandet, weil ein Hund in die Halle gerannt kam. Entsprechend bin ich derzeit kein Fan der Pferd und Reiter - fremder Hund - Kombi. Schon gar nicht wenn die Biester wie verrückt und wild bellenderweise um dich und dein Pferd rennen. Wir mussten heute nämlich ein Paar Pferde zu Pferd umtreiben. Und dabei haben uns die Hunde vom Nachbarhof ungefragt geholfen. Dabei haben sie nicht nur die Herde sondern auch den lieben Wallach den ich geritten bin ziemlich verrückt gemacht. Und da ich hinten geritten bin war er eh schon ziemlich heiß, weil er hinterher wollte. Dass er hinterher will passiert öfter mal, aber der Tatsache geschuldet, dass die Hunde einen Höllenlärm gemacht haben und ich vermutlich nicht mehr geatmet habe, konnte ich ihn leider weder bremsen noch lenken. Und DAS war ein unglaublich beschissenes Gefühl. Und schwuppdiwupp war da in meinem Kopf wieder das Szenario ausm Januar und mich überkam ein leichtes Gefühl von Panik! Nach dieser Geschichte hätte ich auf jeden Fall einen Schnaps gebrauchen können. Gerne auch zwei! Ja, das war ein bisschen zu viel für die kleine Inken. Während ich da nach dieser Aktion in der Stallgasse stand und meine Beine wie Wackelpudding waren, hatten die Isländer nur ein Lächeln für mich über das ausgedrückt hat: "Haha! Das war doch nichts! Dir gehts gut und das waren nur Hunde! Und irgendwann bremst son Pferd immer." Normalerweise denk ich ja auch so, aber das war in dem Moment so gar nicht das was ich brauchte. Aber zum Glück war Birga da, denn eine Umarmung hatte ich in dem Moment mehr als nötig, auch wenn ich es nie zugegeben hätte.

... link


Sonntag, 22. Juni 2014
Start ist um 9 Uhr! Also irgendwann zwischen 10 und 12! Was?
Manchmal hab ich das Gefühl, dass die mangelnden Sprachkenntnisse nicht das Einzige sind, was mir hier Schwierigkeiten bereiten. Da wäre noch die Tatsache, dass hier einfach alles ganz entspannt gesehen wird. Nicht, dass ich nicht auch entspannt wäre, aber hier ist es einfach noch mal anders. "Da laufen Pferde auf der Straße rum? Ja, ignoriert es einfach!" Wo ich mich allerdings dran gewöhnt habe ist einfach mit dem Essen anzufangen, egal ob schon alle da sind oder peng. Und wer sagt heutzutage denn schon noch Guten Appetit! :D Neulich war Besuch aus Deutschland da und dann haben wir zu dritt gegessen und Birga und ich haben schon gut reingehauen, als Nelli gut erzogen einen guten Appetit wünschte. Das hat für einen guten Lacher gesorgt. - War vermutlich Situationskomik! Aber einfach aufzustehen, bevor alle fertig sind find ich noch immer doof.
Wie auch immer. Zur eigentlichen Geschichte: Letzte Woche waren wir mit 15 Reitern und in Summe 80 Pferden auf einer viertägigen Tour, haben aber immer zu Hause geschlafen. Morgens hat mich dann immer jemand zu Hause abgeholt und am Sonntagabend ging es bei den Herrschaften wohl noch feuchtfröhlich zu. Man hatte mir aber zugesichert, dass ich um neun Uhr abgeholt werden würde. Irgendjemand sagte noch so im Spaß "Dann stell dich auch irgendwann zwischen 10 und 12 ein" Am nächsten Morgen war ich wie es sich gehört um 5 vor 9 fertig. Ja, mein Taxi kam dann um 10... An einem der anderen Tagen lief es ähnlich ab. Wir waren bis um 3 Uhr nachts geritten und wollten uns am nächsten Tag um 11 am Hof treffen. Um 11:30 wurde ich dann angerufen, dass man mich nicht vergessen hätte und dass man mich gleich abholen würde. wir waren um 12:30 am Hof. Und wir waren noch mit die ersten. Da wurden wir deutschen erstmal aufgeklärt, dass 11 Uhr nicht 11 Uhr bedeutet. Danke für den Hinweis. Dass sind dann auf jeden Fall immer die Momente in denen ich mich ziemlich deutsch fühle.
Was ich aber einfach famos finde, ist wie schnell man hier an eine Einladung zum Kaffe kommt. hier bei uns in Björnskot sind andauernd irgendwelche Leute, die einfach mal auf einen Kaffe vorbei kommen. In Vesturkot sowieso! Wenn jemand ein Pferd bringt oder abholt wird zu 80% immer noch mal ein Kaffe getrunken. Und das tolle ist, dass man die Leute dafür nicht mal sonderlich gut kennen muss. Und trotzdem haben sie sich dann eine ganze Menge zu erzählen und es wird nicht nur über das Wetter geredet. Neulich haben Harpa und ich aus der Nähe ein paar ihrer Pferde abgeholt und dann hat uns der Besitzer des Hofs noch zu sich ins Haus auf einen Kaffee eingeladen. Seine Frau hatte Pfannkuchen gemacht und hat kurzerhand noch Skyrkaka aufgetaut. Skyrkaka ist vermutlich der mit Abstand leckerste Kuchen der Welt!! Auf jeden Fall waren wir da bestimmt eine Stunde und ich habe bei weitem nicht alles verstanden, aber es sah ganz danach aus als würden die drei sich schon ewig kennen. Im Auto hat Harpa mir erzählt, dass sie die beiden erst seit dem Ritt kennt. Und jetzt mal ohne Witz, wenn man in Deutschland jemanden auf einen Kaffee zu sich einlädt, den man kaum bis gar nicht kennt, bekommt man doch zu 75% zu hören "Ahh, bin total im Stress!" "Ein andermal." "Nein danke, ich will gleich weiter." Und das liebe ich fast mit am meisten an diesem Land! Und da es auch einfach nur so wenig Menschen sind, kennt sich hier auf dem Land auch fast jeder. Und wenn nicht direkt, dann wenigstens über 3 Ecken. Es ist so einfach sich hier wohl zu fühlen. Jeder ist offen und herzlich und interessiert sich aufrichtig für den anderen. Das gefällt mir!

... link


Montag, 16. Juni 2014
Und plötzlich sitzt da ein Schweitzer in der Stube
Also, ich kenn das so, dass man an Trampern nett lächelnderweise vorbeifährt, aber keinen mitnimmt, weil das ja viel zu gefährlich ist. Harpa hat dann neulich direkt mal einen mit nach Hause gebracht :D Ich komm die Treppe runter, weil es heißt wir hätten Besuch und dann sitzt da ein Schweitzer bei uns in der Stube. Er war in den Bergen wandern und dann sind ihm seine gesamten Sachen in einen Fluss gefallen also hat er eine Nacht bei uns geschlafen und am nächsten morgen lag dann einfach ein Zettel auf dem Tisch von wegen "Danke für die Gastfreundschaft". Das war ein bisschen crazy!

... link